Alexandra Kaminski ist eine Malerin, die sich für einen quasi minimalen und
reziproken Duktus entschieden hat. Die Konfrontation findet vor dem Tafelbild
statt, das mit "gelenkten Zufallsoperationen" als farbintensive Lineamente
bearbeitet wird. Sie versteht es, eine strukturelle Charakteristik herauszuarbeiten,
die jedem Bildnis auf seine Weise zu Tiefe und Vielfalt auf begrenztem Terrain
verhilft. In der Betonung aufs Lineare, als Partituren des Horizontalen und
Vertikalen, durchsetzt von räumlichen Schichtungen entsteht eine fluktuierende
Dynamik von filigraner Subtilität.
Als praktizierende Musikerin schlägt Alexandra
Kaminski den Bogen über eine weitläufige Anverwandlung des Akustischen ins
Visuelle, und verleiht somit ihren Klanggebilden eine faszinierende Form
von Anschaulichkeit die über das nur im Augenblick Erfassbare hinausweist.
Das Bildnis erlaubt das Verweilen in einer ganz bestimmten "Tonlage". Diese
erzielte Dauerhaftigkeit bewirkt eine sinnvolle Ergänzung, Erweiterung und
Konzentration als Gegengewicht zur Flüchtigkeit des Akustischen, so dass
es Alexandra Kaminski gelingt, beide Bereiche in eine befruchtende Balance
zu bringen.
Martin Kolbe, Direktor der freien Kunstakademie Basel, Mai 2005



